Antifa heißt Klassenkampf?!

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Heute häufig zu einer Phrase verkommen – eine, hinter der sich heute manchmal wenig mehr verbirgt, als eine romantisierte Vorstellung vom Proletariat. Nichts desto trotz stimmt die Aussage.

Historisch ist ein zentraler Grund für das Aufkommen des Faschismus eine starke Arbeiter:innenbewegung, die offenkundig heute so nicht vorhanden ist. Das ändert aber nichts daran, dass Kampf für die Verbesserungen unserer aller Lebens- und Arbeitsbedingungen eines der effektivsten Mittel gegen rechte Ideologie ist.

Rassistisches, antisemitisches und sexistisches Gedankengut wird durch Krisen verstärkt und befördert. Es geht also schon darum, wie sich die Krise erklärt wird und ob sich Menschen egalitär zusammenschließen, um die Abwälzung der Krise auf ihren Rücken zu verhindern, oder ob sie ihrem Nachbarn erschlagen. Je stärker die Erzählung der Alternativlosigkeit des Kapitalismus und seiner Zumutungen, desto stärker das Ressentiment. Alleine dieser Unterschied macht deutlich, dass es eben nicht bloß eine Phrase ist und gerade jetzt nicht sein darf.

Antifa will sich selbst überflüssig machen. Das heißt, dem Faschismus und der politischen Rechten die Grundlage zu nehmen. So richtig, notwendig und unabdingbar der Abwehrkampf gegen die Faschist:innen ist und wir ihn auch selbst betreiben, ob gemeinsam mit der Kampagne „Den Rechten die Räume nehmen“ oder mit Mobilisierungen im Rahmen von Widersetzen – die Grundlage des Erstarken des Faschismus entziehen wir so nicht. Die Grundlage entziehen wir mit Antworten, die versuchen, die soziale Lebensrealität der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und sich entlang von Klasse zusammenzuschließen! Gerade Streiks und gemeinsame Organisierung sind dabei zentral! In Streiks wird der grundsätzliche Klassenwiderspruch der kapitalistischen Gesellschaft zwischen Arbeit und Kapital am sichtbarsten. In ihnen wird deutlich, dass die Interessen von Ausbeuter:innen und Ausgebeuteten widersprüchlich sind, egal wie sehr das Klassenverhältnis sonst von der Ideologie der sogenannten Sozialpartnerschaft verschleiert werden soll.

Hinsichtlich von Antifaschismus ist es vor allem eine Organisierung entlang der realen Klassenverhältnisse und damit tendenziell gegen ihre Verschleierung. Dies in Verbindung mit der gemeinsamen Kampf- und Solidaritätserfahrung kann die Grundlage schaffen für etwas, was kluge Leute einmal Klassenbewusstsein nannten. Der Zusammenschluss bietet die Möglichkeit rassistische, antisemitische und sexistische Spaltung zu überwinden, bzw. zumindest abzubauen.

Dabei geht es nicht um eine Romantisierung der Arbeiter:innenklasse, welche nur wach geküsst werden muss. Rassist:innen, Antisemit:innen und Sexist:innen sind konsequent zu bekämpfen, die Ideologie mit ihren Eigendynamiken ist ernst zu nehmen. Aber eine Ideologiekritik, die wirksam sein will, kommt um diese Praxis nicht umhin.

Auch wir haben kein Patentrezept, aber eine wahrnehmbare radikale Linke, welche diese Position verbreitet und versucht, Rechnung zu tragen, ist notwendiger denn je.

Eine Gelegenheit ist der 1. Mai – der internationale Kampftag der Arbeiter:innenklasse.

Kommt in den antikapitalistischen Block.
10:00 Uhr // Altes Gewerkschaftshaus (Kollegienwall 14)