Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz.
Befreit wurden etwa 7500 Häftlinge, welche die SS-Einheiten, die das Lager überwachten, kurz vor ihrem Verlassen nicht mehr ermorden konnten. Dabei waren die Deutschen doch immer sehr gründlich gewesen – so hatten sie aus Furcht vor der vorrückenden Roten Armee in einer einzigen Nacht 10.000 Häftlinge ermordet und Gaskammern und andere Beweise zerstört bzw. zu zerstören versucht.(1) Tausende Häftlinge, die von den Deutschen als „noch nicht zu schwach“ erachtet wurden, wurden auf die sog. „Todesmärsche“ Richtung Westen geschickt. Die Deutschen wussten, dass ihre Taten, dass die rund 1,3 Millionen Menschen, die sie zwischen 1940 und 1945 in Auschwitz ermordet hatten, nicht ungesühnt bleiben konnten und würden.
Nicht jeder, der auf den Türmen wache hielt, der die Häftlinge zu brutalen Arbeitseinsätzen zwang oder das Gas in die Kammern ließ, war genau hierzu nach der Schule ausgebildet worden. Überzeugt von der NS-Ideologie, dem Rassenwahn, dem Antisemitismus und dem Hass auf Kommunist:innen waren sie sicherlich alle, doch nicht selten hatten sie zuvor in der Weimarer Republik bürgerliche Berufe ausgeübt. Sie waren Metzger, waren kleinere Kaufleute oder arbeiteten in der Verwaltung. Sie waren Deutsche, die sich mit dem Beginn der NS-Diktatur „endlich“ im Stande sahen, ihrem Hass, ihrem Wahn und ihren menschenverachtenden Überzeugungen gewaltvoll freien Lauf zu lassen.
Die Ideologie hatten viele von ihnen womöglich bereits zur Zeiten der Weimarer Republik inne, geändert hatten sich mit der Machtübergabe an die Nazis aber die Machtverhältnisse, Recht und Gesetz. Zwar zog nicht erst seit 1933 rechte Gewalt durch die Straßen, nun aber waren die Faschisten an der Staatsmacht. Die frühe Entrechtung von Kommunist:innen, Jüd:innen, Sinti:zze und Rom:nja und die für alle sichtbare Gewalt und Ausgrenzung von ihnen waren im Nachhinein betrachtet notwendig um das, was in Auschwitz und den anderen Arbeits- und Vernichtungslagern folgen sollte, denkbar und möglich werden zu lassen. Auschwitz war die Spitze der Entrechtung, des industriellen Mordens Nazideutschlands, dass größte Menschheitsverbrechen der Geschichte – es brauchte aber einen Weg dorthin, die deutschen Massen und mit ihr die „einfachen“ Leute mussten ideologisch, praktisch und moralisch auf diese Gräuel „vorbereitet“ werden.
Daraus leiten sich für uns und für alle aufrechten Antifaschist:innen, die nicht bei einem reinen Betrauern der Opfer der Shoa stehen bleiben wollen, diese unverrückbaren Maxime ab:
Wir müssen frühzeitig handeln – die extreme Rechte hat noch nicht Staatsmacht, doch schon jetzt verschiebt sie das Sagbare nach rechts und das „Vorfeld“ sieht sich nicht zuletzt deswegen dazu legitimiert die menschenfeindliche Ideologie auch in die Tat umzusetzen und auf die Straßen zu tragen. Angriffe auf Linke, CSDs, Migrant:innen und Obdachlose haben nie aufgehört, steigen aber zunehmend. Die extreme Rechte erstarkt und sie arbeitet bereits jetzt akribisch an einem widerwärtigen Geschichtsrevisionismus – ganz ohne die Staatsmacht in Deutschland innezuhaben.
Wir müssen Faschis:innen mit allen nötigen Mitteln den Weg zur Macht verwehren und ihre Wirkkreise einschränken. Ohne der AfD, ihrem Vorfeld oder anderen Fascho-Organisationen oder Parteien hinterherzulaufen, müssen wir ihnen und der Gesellschaft ein deutliches Zeichen senden – wir bleiben weiter solidarisch mit allen (potenziellen) Opfern rechter Gewalt, lassen sie nicht alleine und treten den Rechten entschlossen entgegen.
Dabei gibt es keinen Verlass auf Staat und Recht – Recht ist wandelbar und keine feste Größe, die unverrückbar ist und Staat und Regierung schützen uns und unsere Communities nicht vor der erstarkenden extremen Rechten. Vielmehr folgt die CDU dieser Marschroute ohne großen (inner- wie außerparteilichen) Widerstand.
Nehmen wir Antifaschismus selbst in die Hand, halten wir die Geschichte wachsam, verteidigen wir die Erinnerung gegen Geschichtsrevisionismus von Rechts – Erinnern heißt kämpfen!
