Als Bündnis „Osnabrück für Alle“ beschäftigen wir uns seit mittlerweile zwei Jahren mit den politischen Entwicklungen in der Stadt Osnabrück. Unser Fokus liegt dabei vor allem auf dem „10-Punkte-Programm“, das gemeinsam von der Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und der Polizeiinspektion Osnabrück erarbeitet wurde.
Es ist offensichtlich, dass die darin beschlossenen Maßnahmen vor allem die Ärmsten der Ärmsten treffen und weiter für Gentrifizierung sorgen.
In den letzten zwei Jahren haben wir uns als Bündnis intensiv darum bemüht, auf diese Themen (Verdrängung und Gentrifizierung) aufmerksam zu machen und eine kritische Perspektive auf die Vorhaben der Stadt zu werfen. Hierfür haben wir Kundgebungen, Demonstrationen, Vorträge und gemeinsames Cornern organisiert.
2025 haben wir uns als Bündnis dazu entschieden, mit den Leuten vor Ort selbst ins Gespräch zu kommen. Wir wollten uns ein Bild davon zu machen, was die Menschen denken, die die Johannisstraße alltäglich passieren, und wie ihre Erfahrungen sind.
Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, haben wir uns an zwei Samstagen für mehrere Stunden mit einem kleinen Stand in die Johannisstraße gestellt.
Die Reaktionen auf uns waren sehr unterschiedlich: Es gab Leute, die sofort dabei waren. Andere reagierten sehr ablehnend. Und es gab Leute, die sehr skeptisch nachfragten.
Da viele Leute davon ausgegangen sind, dass wir Personen sind, die etwas verkaufen möchten, war es uns umso wichtiger, von Anfang an klarzustellen, dass wir uns für ihre Positionen, Einschätzungen und Erfahrungen interessieren.
Um die Ergebnisse dieser Gespräche festzuhalten und im Nachhinein evaluieren zu können, haben wir uns elf Fragen überlegt, welche in zwei Teile aufgeteilt sind.
Im ersten Teil haben wir sechs Fragen gestellt, bei denen die jeweilige Person auf einer Skala von 1 bis 5 angeben konnte, inwieweit die Frage auf sie zutrifft bzw. nicht zutrifft.
Für die Auswertung dieser Daten haben wir ein Balkendiagramm gewählt, siehe unten.
Im zweiten Teil haben wir fünf weitere Fragen gestellt, auf die die Menschen mit ein bis zwei Sätzen antworten konnten.
Da wir beim zweiten Teil nur Stichpunkte mitgeschrieben haben, würden wir hier einmal grob widerspiegeln, was die wichtigsten Erkenntnisse und häufigsten Antworten der Teilnehmenden waren.
Wie sich schon durch das Balkendiagramm antizipieren lässt, war das Thema Wohnraum das vorherrschende.
In beinahe jedem Gespräch wurde gesagt, dass sozialer Wohnraum fehlt und dort seitens der Stadt und Politik mehr Priorität darauf gesetzt werden sollte.
Bei den Gesprächen fiel immer mal wieder das Stichwort „Obdachlosigkeit“ und viele Befragte wünschen sich eine sozialere Wohnungspolitik.
Hier wird die Unzufriedenheit der Befragten mit den Entscheidungen der Stadt deutlich, die lieber Menschen bestrafend verdrängt anstatt sozialen Wohnraum zu schaffen.
Die Stadt fokussiert sich nicht darauf, dass alle Menschen bedingungslos ein Dach über dem Kopf haben, sondern auf die Profitmaximierung der Immobilienhaie. Die Menschen, die wir befragt haben, waren der Meinung, dass Wohnen keine Ware sein sollte, mit der sich ein paar Wenige bereichern.
Eine weitere spannende Erkenntnis der offenen Fragen, die sich ebenfalls im Balkendiagramm abzeichnet, ist, dass der Zusammenhang von Videoüberwachung und KI für viele Leute nicht präsent ist.
Häufige Antworten auf die Frage, ob sie sich durch die neuen Kameras beobachtet fühlten, war, dass dies nicht der Fall sei, da sie nichts zu verbergen hätten. Als darauf die Frage folgte, wie es bzgl. der Thematik KI aussieht, war deutlich mehr Sorge zu hören.
Fazit:
Die Gespräche, die wir geführt haben, zeigen deutlich, dass der Wohnungsmarkt für viele Menschen ein zentrales politisches Thema ist.
Für uns als Bündnis ist dabei offensichtlich, wie sehr die Interessen des Marktes, welche als Ziel die Profitmaximierung einiger weniger verfolgen, im Widerspruch zu den Interessen des Großteils der Bevölkerung stehen, nämlich dem Bedürfnis, bedingungslos ein Dach über den Kopf zu haben, ohne dafür den Großteil des Einkommens ausgeben zu müssen.
Auch der Sicherheitsaspekt, welcher als Vorwand genutzt wird, um Menschen, die sowieso schon die Ärmsten der Ärmsten sind, zu schikanieren und weiterer Verdrängung auszusetzen, sollte aus einem solidarischen Standpunkt heraus kritisiert und bekämpft werden.






